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Wie immer

Moin und Hallo

Schön, dass ihr wieder dabei seid.
Ich komme mir manchmal vor wie auf der Überholspur. Die einzelnen Jahreszeiten fliegen nur so vorbei. Oft hänge ich etwas hintenan und dann fehlt mir der ein oder andere Monat.
Und schon ist wieder ein neues Jahr. Und zu einem Neuanfang gehört natürlich ein Thema. Sieht man auf der Startseite.
Also – Planung ist alles. Oder ist nicht planen auch mal schön?
Manches ergibt sich von allein, wie das folgende Gedicht zeigt.

Wie immer

Pünktlich wie in jedem Jahr,
die Vorsätze füllen Seiten.
Die Speckrollen sind schon wieder da
und sollen uns nicht begleiten.

Pünktlich mit dem neuen Jahr,
die Energie ist noch frisch.
Es wird nun sportlich, ist doch klar.
Nur Salat kommt auf den Tisch.

Pünktlich ist das neue Jahr.
Es lässt sich nicht verschieben.
Es stellt sich immer anders da.
Wie wir den Anfang lieben.

Pünktlich wird im neuen Jahr
der Blick nach vorn gerichtet.
Der Weg zwar lang schon früher war,
doch Erfolg ist schon gesichtet.

So geht es weiter – nicht sehr lang.
Das Jahr ist noch recht frisch.
Die Vorsätze fangen zu nerven an.
Und – die sind erst mal vom Tisch.

Somit genug für heute.
Leichtigkeit ist das Zauberwort.
Habt alle einen gemütlichen Jahresanfang.

Adventskalender – Geschichte 2025

1. Caruso, der eigentlich und mit vollem Namen Carl Rudi Sonntag hieß und der himmlische Postbote war, tanzte mit einer Tasche voller Briefe durch die Krankenstation.
„Moin, Moin, meine Engel ist denn wieder alles klar?“, sang er laut und schief seine Version eines deutschen Schlagers.
Die letzten Töne noch lange anhaltend blieb er vor einem der Betten stehen.
„Mimi Sternenstaub, ich habe dir etwas mitgebracht. Umständlich holte er ein Kuvert aus seiner Tasche und wurde schlagartig schneeweiß im Gesicht.

2. „Hallo Caruso, leg es einfach auf den Nachtschrank. Ich schaue später nach“, nuschelte die Angesprochene und zog ihre Bettdecke noch ein Stück höher. Somit war nur noch das obere Ende der rotblonden Lockenpracht zu sehen.
„Du, Mimi, ich glaube das geht nicht“, stotterte er und hielt das Kuvert vorsichtig an zwei Fingern. „Der Brief ist rot und blinkt ganz heftig.“

3. „Was?“ Mimi sprang mit einem Satz hoch und riss Caruso den Umschlag aus der Hand.
Jeder im Himmel wusste, was rote, blinkende Briefumschläge bedeuteten. Gefahr für Leib und Leben.
„Mia, wach auf!“ An der Bettdecke des Nachbarbettes zerrend hüpfte sie von einem Bein auf das andere.
Mia Morgenstern, ihre beste Freundin schlug langsam und flackernd die Augen auf.
„Geht es um Paul? Ich habe seine Hilferufe gehört. Kannst du mal vorlesen?“

4. Schnaufend begann Mimi.
„Liebe Mimi Sternenstaub,
ich bin Pauls Freundin. Ich hoffe du erinnerst dich an ihn. Er hat mir von eurem Abenteuer letztes Jahr erzählt. Ich habe ihm nicht geglaubt, dass er sogar zwei Engel kennt. Dich und Mia Morgenstern. Wir haben uns darüber gestritten.
Nun ist er verschwunden. Unsere Eltern sind nicht da. Wir haben geflunkert und erzählt wir schliefen jeweils bei dem anderen. Paul will die Artefakte seines verschollenen Großonkels suchen. Ich brauche eure Hilfe.
Liebe Grüße Lela

5. „Boa, dieser Junge.“ Mimi hatte schon ihr Gewand in der Hand. „Wir müssen sofort runter.“
Mia hielt sie am Arm fest. „Wir können nicht los. Dein Flügel ist noch nicht verheilt. Der Kleber ist noch zu frisch und ich bin mit meiner Gehirnerschütterung orientierungslos.“
„So ein Mist Herrgott nochmal. “ Schon beim Ausspruch zog Mimi den Kopf ein und ein gehöriger Donnerschlag ließ nicht lange auf sich warten. „Entschuldigung“, murmelte sie sogleich und setzte sich mit hängenden Schultern auf Mias Bett. „Es ist alles meine Schuld.“

6. Caruso hatte den Schlagaustausch der Beiden verfolgt und sprach nun zögernd dazwischen.
„Was ist denn passiert?“
Mimi räusperte sich lange und Mia griente. „Also, Mimi kann mit Sicherheit nur geradeaus fliegen. Rechts und links sind nicht so ihr Favorit. Das ist beim Formationsflug etwas kontraproduktiv.“
„Lange Rede kurzer Sinn. Wir sind zusammengehauen“, ergänzte Mimi.
„Und nun kurieren wir unsere Blessuren“, lachte Mia nun laut los.
„Autsch“, entfuhr es Caruso. „Und wer ist Paul?“

7. „Ja, Paul,“ Mia holte Luft. „Ein kleiner Junge, nett, hilfsbereit, hat ein Herz für Tiere, bisschen schüchtern und unsicher.“
„Abenteuerlustig, ungeschickt, bringt sich ständig in Schwierigkeiten“, ergänzte Mimi sofort.
„Redet ihr von einer Person?“ Caruso konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Ja“, kam es prompt von beiden.
„Vielleicht kann ich ja helfen“, überlegte Caruso laut.

8. „Du?“, riefen Mimi und Mia unisono. „Du bist Briefträger“, erinnerte Mia ihn. „Auf der Erde ist es gefährlich. Und wie es aussieht, hat Paul mal wieder alle Register gezogen“, knurrte Mimi.
„Ja, stimmt. Ich bin ein Briefträger, aber ich bin auch für ein Abenteuer zu haben und ich habe zwei gesunde Flügel und mit Adressen kennt sich keiner so gut aus wie ich“, trumpfte Caruso nun auf.

9. Wo er Recht hat, hat er Recht. Versuchen wir es“, seufzte Mia.
„Year,“ Caruso stürmte wie ein Läufer in den Startlöchern sofort los. „Ich gehe mich umziehen,“ sang er und war sogleich verschwunden.
„Wieso umziehen.“ Mimi runzelte die Stirn. „Mia, ehrlich. Was gibt es denn da umzuziehen? Er hat doch was an. Mimi schüttelte den Kopf und Mia seufzte erneut.

10. „So, ich bin dann so weit. Wie ist die Adresse?“ Caruso war erstaunlich schnell zurück.
Mimis Augen weiteten sich und sie biss sich schnell auf die Lippen. „Äh, hier,“ übergab sie das Kuvert und blickte auf den Boden. „Sei vorsichtig,“ flüsterte Mia und schlug die Hände vor das Gesicht. „Gib uns Bescheid was los ist,“ rief Mimi Caruso hinterher, der mit einem „Abenteuer, ich komme!“, durch das geöffnete Fenster sprang.

11. Kaum war er entschwunden platzten beide vor Lachen los. „Oh Mann, was wird Lela denken, wenn dieses rosa gekleidete singende Wesen mit diesem Nachttopf, Verzeihung Kriegshelm auf dem Kopf bei ihr ankommt?“ Mia hielt sich den Bauch vor Lachen. Mimi wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Das wird nie was. Ich suche mir einen Heizungsplatz, dann trocknet der Kleber vielleicht schneller.“ „Und ich frage Dr. Krumtiegel wie ich meine Genesung beschleunigen kann,“ kicherte Mia weiter.

12. Caruso war derweilen ganz nach Vorschrift die Milchstraße entlang geflogen, dann noch zwei Mal links und schon war er da. Bevor er klingeln konnte, wurde die Tür aufgerissen. Ein etwa 10-jähriges Mädchen starrte ihn mit offenem Mund an.
„Hallo, ich bin Caruso, deine Hilfe“, sang er schnell. Lela schnappte nach Luft und musterte ihn von oben bis unten. „Du bist also ein Schutzengel. Ich hatte eine andere Vorstellung,“ unterdrückte sie ein Lachen. „Nein, ich bin ein Briefträger“, korrigierte Caruso wahrheitsgemäß und stellte vorsichtshalber den Fuß in die Tür.

13. „Echt jetzt?“ Lela kam sich vor wie im falschen Film. Suchend blickte sie nach links und rechts. „Wo sind Mimi und Mia?“ „Noch auf der Krankenstation, aber dafür haben sie mich geschickt“, strahlt Caruso übers ganze Gesicht. „Einen Briefträger?“ Leilas Gedanken schlugen Kapriolen. Dafür hatte sie einen Brief geschrieben? „Komm schon, lass uns Paul suchen? Ich bin gut im Finden. Darin habe ich Übung.“ Carusos Stimme klang etwas schrill, so ganz ohne Gesang.

14. Geraume Zeit später saßen sie in Pauls Zimmer. Die Durchsuchung der Räume und des Kellers war erfolglos. „Hat Paul denn nicht gesagt, wo er die Artefakte vermutet?“ Caruso hatte inzwischen seinen Helm abgenommen und sein sehr schmutziger Heiligenschein hing schräg auf seinen langen Haaren. Lela schaute zu ihm hoch. Ohne seinen rosa Fluganzug sah er schon eher wie ein Engel aus, fand sie. „Es soll eine Karte geben.“

15. „Sehr gut“, mit geübtem Blick scannte Caruso den Schreibtisch und erblickte sofort eine kleine Papierecke unter einem Buch. „Ha, gefunden.“ Triumphierend zog er das Teil hervor und reichte es Lela.
„Das kenne ich. Das ist der Dachboden und ich weiß auch wie wir da hineinkommen.“ Mit leuchtenden Augen und roten Wangen zog sie Caruso mit sich und blieb am Ende des Zimmers stehen.

16. „Lela, das ist eine Schranktür“, Caruso zog eine Augenbraue hoch. „Stimmt“, lachte sie und trat hinein. Mit einem Druck auf die Rückwand öffnete sich der Eingang zu einer Stiege. „Puh, ist das eng hier.“ Caruso schob sich empor und schnaufte laut vor sich hin. Der Dachboden war klein und mit Möbeln und Kartons vollgestopft. „Schau mal, die Fußspuren dort vor dem Spiegel.“ Caruso deutete auf den Boden. „Ja, aber warum sind das so viele? Paul, was ist dir passiert?“, Leilas Stimme war nur ein Hauchen.

17. „Siehst du die Sohlenmaserung. Es sind drei verschiedene Personen. Aber warum?“, murmelte Caruso und kniete sich nieder. Langsam fuhr er mit den Fingerspitzen jede Unebenheit des Spiegels ab. „Was machst du da?“ Lela hatte sich neben ihn gehockt. „Ich suche einen Knopf oder Mechanismus. Vielleicht ist es eine Geheimtür? Zeig mal die Karte.“ “Oh, die liegt noch im Zimmer. Ich hole sie kurz.“ Lela flitzte los und war kurze Zeit später zurück. „Caruso?“ Sie schaute sich suchend um. Der Raum war leer.

18. „Das glaube ich jetzt nicht. Muss ich jetzt neben Paul auch noch seinen Retter finden?“ Lela stand auf dem leeren Dachboden und raufte sich die Haare. „Hallo?“, rief sie und hielt sich sogleich den Mund zu. „Keine gute Idee Lela. Wenn die Entführer hier noch irgendwo sind, dann fangen sie mich auch noch ein. Ich muss noch mal mit Mimi und Mia Kontakt aufnehmen“, flüsterte sie mit sich. Schnell schnappte sie sich den Plan und schlich aus dem Raum.

19. „Da stimmt doch was nicht. Caruso ist schon viel zu lange weg und kein Bericht oder Lebenszeichen von ihm.“ Mimi rannte in der Krankenstation hin und her. Mia saß auf ihrem Bett und hielt sich den Kopf. „Mimi, ich kann nicht denken, wenn du hier wie ein Irrwisch rumspringst!“ „Entschuldigung.“ Mimi schaute hinab auf das bleiche Gesicht ihrer Freundin und setzte sich. Einen Moment war es still im Raum, dann sprang sie auf und klatschte sich an die Stirn. „Denkfehler. Er ist der einzige Briefträger hier. Nachrichten sind nun an der Sammelstelle.“

20. Wenige Minuten später kam sie mit einem Zettel in der Hand zurück. „Oh, es ist von Lela. Hilfe. Caruso auch verschwunden. Was soll ich machen? Wann kommt ihr…“
„Jetzt“ antwortete Mia automatisch. Die Stirn mit einer Hand massierend griff sie nach einem Glas mit einer grünen Flüssigkeit. „Das Mittel von Dr. Krumtiegel sollte helfen zumindest unten anzukommen. Ich weiß nur noch nicht wie.“
„Aber ich“, klatschte Mimi in ihre Hände. „Wir halten uns aneinander fest. Du fliegst. Ich übernehme die Orientierung.“

21. „Finde den Fehler,“ schnaufte Mia nach der dritten Runde rechts und linksherum über die Häuserfront. „Da ist Leilas zuhause!“ rief Mimi endlich. „Lass uns gleich zu Paul rübergehen. Bestimmt wartet Lela dort auf uns.“ Mia machte sich nach der Landung sogleich auf den Weg. „Mist“, entfuhr es Mimi. „Wieso? Gibt es etwas, was ich wissen sollte?“ Mias Stirn hatte sich in Falten gelegt.
„Es stand im Kurzbrief, wo sie auf uns wartet“, murmelte Mimi. „Der liegt auf dem Bett.“
„Mimi Sternenstaub, du…!“

22. „Das Haus fühlt sich unbewohnt an. Findest du nicht auch? So bedrohlich. Ob Lela jetzt auch entführt wurde?“ Mimi schlich hinter Mia die Treppe hoch und schaute sich laufend um. „Du hast zu viele Krimis gelesen“, knurrte Mia und öffnete eine Tür. „Voilà, Pauls Reich.“ „Woher wusstest du das,“ mit großen Augen schaute Mimi auf ihre Freundin. „Ich habe schon einiges mit Paul erlebt“, lachte Mia nun los und blickte sich um. „Hier gibt es irgendwo einen…“ Der Rest des Satzes wurde von einem quietschenden Geräusch unterbrochen. Mimi stand wie erstarrt und blickte auf eine Schranktür, die sich langsam öffnete.

23. „Geheimgang“, vollendete Mia den Satz und blickte zum Schrank, aus dem gerade ein Mädchen entstieg. „Ich bin so froh euch zu sehen. Paul ist weg und Caruso ist auch auf vom Dachboden verschwunden und da gibt es ganz viele Spuren und ich habe eine Karte und …“ „Langsam, hol mal Luft.“ Mimi die immer noch recht blass um die Nase war legte eine Hand auf die Schulter des Mädchens. „Du bist sicher Lela. Am besten du führst an.“
„Mimi, ich habe immer noch keinen Kontakt zu Paul,“ flüsterte Mia auf dem Weg. „Hoffentlich kommen wir nicht zu spät.“

24. Mimi hatte auf dem Dachboden sogleich den Spiegel mit den Rosetten entdeckt. Schnell hatte sie den Dreh raus und offenbarte den Blick auf Paul und Caruso, die auf einer Truhe hockten. Um sie herum ein Berg von Schuhen und Kostümen. „Stell bloß was in die Tür. Die geht von allein wieder zu“, riefen beide im Chor. „Hallo, wir freuen uns auch euch zu sehen.“ Mias lachen war glockenhell. „Lass mich raten Paul. Dir war langweilig und du hast Kostümball gespielt“, setzte Mimi nach. Pauls roter Kopf war Antwort genug. Lela lächelt still vor sich hin. Keine Entführung. Kein Streit mehr. Mit Tee, Keksen und abenteuerlichen Geschichten saßen sie zusammen, bis das Schlagen von Autotüren zu hören war. „Das sind wohl eure Eltern. Wir machen uns mal auf den Weg“, bemerkte Caruso. „Oh, schade“, griente Paul. „Dann muss ich die Artefakte wohl ein anderes Mal suchen.“ „Untersteh dich“, riefen die anderen mit erhobenen Zeigefingern.

Lela

Moin und Hallo,

schön, das ihr vorbeischaut.
Draußen regnet es gerade Bindfäden und es soll auch in den nächsten Tagen so bleiben. Auch wenn ich mich lange dagegen gewährt habe, der Sommer ist vorbei.
Spätestens mit der Zeitumstellung steht man plötzlich schon recht früh im Dunkeln. Aber an allen Dingen gibt es etwas Gutes zu entdecken. Man kann es sich wieder drinnen gemütlich machen. Kakao, Kerzen und Kekse, die berühmten drei „K“ gehen immer. Vielleicht wird auch der ein oder andere Brief geschrieben.
So ergeht es Lela im folgenden Beitrag. Sie tut sich etwas schwer damit.
Ich habe ihr mal ein paar Briefpapier Motive auf die Startseite gestellt.

„Mist, Mist, Mist.“ Lela feuerte ihren Stift im hohen Bogen auf den Schreibtisch und sprang auf. Ruhelos rannte sie in ihrem Kinderzimmer hin und her. Was sollte sie nur machen? Was schreiben? Und wie? Einen Brief an einen Engel.
Lela war 10 Jahre alt und in ihrer Welt gab es die Freundinnen in ihrer Schule und Handys zum Chatten oder zum Betrachten von süßen Katzenvideos.
Aber doch keine Engel wie ihr bester Freund Paul immer behauptete.
Alles in ihr sträubte sich dagegen, aber sie wusste sich keinen anderen Rat.
Sie musste einen Kontakt herstellen und das ging nur per Brief.
Sie schaute aus dem Fenster. Auf das Nachbarhaus in dem Paul mit seinen Eltern wohnte, sah seltsam verlassen aus.

„Paul glaubt an Engel.“ Lelas Stimme war nur ein Flüstern. „Das muss reichen.“

Mit dem Streit, ob es Engel gäbe oder nicht hatte der ganze Schlamassel begonnen. Paul hatte behauptet er würde zwei kennen. Sogar mit Namen. Das war Laila dann doch zu viel gewesen und sie hatten sich gestritten. Nun war er weg.
„Wenn doch nur einer von den Eltern da wäre“, seufzte sie tief.

Aber die waren alle unterwegs. So war der Plan.
Pauls Plan. Er hatte den Vorschlag gemacht.
„Lela, ich habe eine Idee. es sind Herbstferien und somit die beste Zeit. Du sagst zuhause, dass du bei mir schläfst. Und ich sage, ich würde bei dir übernachten. Dann haben wir sturmfreie Bude.
Unsere Eltern nutzen bestimmt die Gelegenheit am Wochenende etwas zu unternehmen.
Meine wollten schon die ganze Zeit meinen großen Bruder besuchen. Der ist seit Studienbeginn nicht mehr hier gewesen und deine wollten ihre weggezogenen Freunde gerne wiedersehen. Das habe ich letztens zufällig gehört.“
Paul hatte sie so strahlend angeschaut, dass sie zugestimmt hatte. Obwohl sie insgeheim befürchtete, dass irgendetwas gefährliches herauskommen würde, als er ihr später erzählte, warum er die Erwachsenen aus dem Haus haben wollte. Paul hatte immer das Talent sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Aber nun war es zu spät. Nun war sie allein. Sie atmete tief durch und setze sich wieder an den Schreibtisch und nahm den Stift auf. Nein, allein war sie nicht. Vielleicht gab es ja doch Schutzengel.

Liebe Mimi Sternenstaub…

Wie es mit Lela und den Schutzengeln weitergeht, könnt ihr in der diesjährigen
Adventskalender Geschichte lesen. Die beginnt wieder wie in jedem Jahr am 1. Dezember.
Habt also ein wenig Geduld und wieder eine schöne Zeit.

Darf es noch ein bisschen Sommer sein?

Moin und Hallo

Ich freue mich, euch wieder dabei zu haben.
So ein Jahr ist auch nicht mehr das, was es früher einmal war. Mir geht es immer etwas zu schnell.
Nun hat schon der Oktober Einzug genommen, und ich hänge ehrlich gesagt noch im Sommer fest.
Sieht man auf meinem Startbild. Dabei lässt es sich nicht mehr leugnen, dass die Tage kürzer und die Nächte vor allem kälter werden.
Heute Morgen haben wir im Strandkorb gefrühstückt. Und ich kann berichten, um 6:45 Uhr war es leidlich hell und recht frisch mit unseren 3 Grad. Aber ja, mit einer oder zwei Decken ist alles möglich.
Gerade mit dem ersten Zweifel, ob ich hier richtig sitze, und nicht doch lieber drinnen im Warmen, fing ein Zaunkönig an zu singen. Was für ein Timing.
Für mich war der Sommer zurückgekehrt. Mir wurde augenblicklich wohlig ums Herz. (Aber nur da)
Mal schauen, welche Überraschung der morgige Tag für uns bereithält.
Schaut euch nur um. Es gibt immer so viel zu entdecken.

Immer wieder Schnecken

Moin und Hallo

Schön, euch wieder dabei zu haben.
Kaum hat meine Sommerpause begonnen, schon ist sie wieder vorbei.
Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wie schnell die Zeit rennt.

Vor meiner Sommerpause habe ich mich vermehrt mit den Krafttieren auseinandergesetzt und so bin ich bei meiner Recherche auf eine besondere Schnecke gestoßen. Früher dachte ich immer, so ein Krafttier müsste groß sein und kräftig. Sollte Kraft liefern, wie der Name schon sagt. Umso erstaunter war ich, als ich auch Schnecken in einer Liste fand.

Schnecken sind schon sehr lange mein Thema. Ich finde sie einfach witzig und sehr neugierig. Vor einigen Jahren habe ich dann mein erstes Bilderbuch über eine kleine Schnecke verfasst.
Wie in jedem Garten gibt es auch bei uns Massen davon. Wenn man sie beobachtet, sieht man gleich, die haben einen Plan und führen ihn zielstrebig aus.
Gartenkino halt.

Ich höre jetzt schon die Gartenliebhaber unter euch stöhnen.
Aber dieses Tierchen auf meiner Startseite ist hier nicht beheimatet.
Es ist eine sogenannte Blattschafschnecke. Sie lebt im Pazifik und ist nur wenige Millimeter groß. Das Bild ist also keine Artischocke mit Augen. Wenn ihr mehr zu diesem Tierchen erfahren möchtet, schaut unter Schlundsackschnecken.
Superinteressant.

Aber auch hier in unserer Gegend gibt es viel zu entdecken. Man braucht sich nur umzuschauen. Den vielen kleinen Insekten zolle ich meinen Respekt. Es ist sehr erstaunlich, was sie an Kreativität und Ideenreichtum zu bieten haben.

Schaut mal hin und habt wieder eine schöne Zeit.

Wenn ich ein Chamäleon wär

Moin und Hallo,

schön, dass ihr wieder dabei seid.
Heute habe ich für meine Startseite ein für mich sehr spannendes Tier mitgebracht.
Das Chamäleon. Es wird als Krafttier angesehen.
Vielleicht liegt es an seinen vielen Besonderheiten.
Wer sich die Augen genauer betrachtet, findet ein unabhängiges Schauen in unterschiedliche Richtungen. Jedes Auge macht, was es will.
Ich meine nicht das Schielen, das man als Kind aus Jux ausprobiert hat. Ich war da schon recht meisterhaft darin. Sehr zum Unbehagen der Erwachsenen, die mir prophezeit haben, die Augen blieben immer so stehen.
Glück gehabt. Ist nicht passiert.
Sein Gangbild ist ungewöhnlich, teils bedächtig, schon fast meditativ klettert es zu seinem Ziel. Es kann sich zur Tarnung auch wippend fortbewegen und imitiert dadurch ein Blatt im Wind. Es greift gezielt und nutzt den Schwanz zusätzlich als Haltefunktion.
Die Zunge ist richtig klebrig und schnell. Da ist nichts mehr mit Gemütlichkeit. Sobald ein lohnendes Objekt entdeckt wird, schnellt diese vor und schwupp mit Nahrung zurück.
Sein Farbwechsel ist phänomenal. Man sieht immer, wie die Stimmung ist. Zufrieden oder zornig, eventuell mal blass, wenn das Wohlbefinden nicht so stimmt. Eigentlich ein bisschen wie bei uns Menschen.
Zumindest in meiner Fantasie. Lest aber selbst.

Wenn ich ein Chamäleon wär
mein Leben anders ging einher.
Ich wäre bunt und schrill
und trotzdem eher still.

Mein Kleid wäre prächtig
im Wandel doch mächtig.
Die Farben sehr klar,
wie ich niemals war.

Ich könnte mich verstecken,
niemand würde mich entdecken.
Wäre nahezu unsichtbar
und doch immerzu da.

Mein Blick wäre konsequent.
Jedes Auge rotierte getrennt.
Mein Fokus von fern bis nah,
die Sicht dann scharf und klar.

Ich würde alles bemerken.
Das sind meine Stärken.
Beherrschte so manchen Trick
und hätte voll den Überblick.

Wenn ich ein Chamäleon wär,
lebte ich anders als bisher.
Mehr Abenteuer sicherlich,
doch wär ich nicht mehr ich.

So ein paar Chamäleon Eigenschaften könnte ich schon gebrauchen.
Vor allem, was den Überblick angeht. Bei mir liegt wieder ein Projekt auf Halde.
Zur Vollendung gehe ich nun in die Sommerpause.
Habt bis zu unserem Wiedersehen eine schöne Zeit und genießt die Wunder, die uns täglich geboten werden.

Unverhofft kommt oft

Moin und Hallo
Schön, dass ihr wieder dabei seid. Der Frühling ist inzwischen weit ins Land gezogen und es wird stetig grüner und bunter.
Der Nestbau der Vögel ist im vollen Gang. Es begeistert mich jedes Jahr aufs Neue.Die Wildgänse haben den ersten Nachwuchs und auf den Wiesen sind die ersten Lämmer zu erblicken.
Ich habe als Startbild für diesen Monat einen Widder mitgebracht. Ich finde, den sieht man nicht so oft. Oder zumindest ich habe ihn in den letzten Jahren nicht so im Blick gehabt. Dabei ist er sowohl Sternzeichen wie Krafttier. An beides denkt man nicht unbedingt, wenn die jungen Wilden über die Wiese hüpfen.
Oftmals ist man so in seinem Hamsterrad, dass selbst ungewöhnliche oder auffällige Veränderungen völlig außer Acht gelassen werden, wie die folgende Geschichte zeigt.

„Guten Morgen, sagt der Morgen.
Was ein wunderbarer Tag.“
Clara sank schnaufend auf dem Küchenstuhl nieder und schloss für einen Moment die Augen.
„Garantiert nicht“; kommentierte sie die fröhlichen Worte des Radiomoderators.
„Eher guten Abend gute Nacht.
Ein beschissener Tag ist vollbracht“,
murmelte sie vor sich hin und ließ das Gespräch mit ihrem Chef Revue passieren.
„Clara, nun langt es. Du nimmst den Rest der Woche frei und schläfst dich mal aus.“
„Aber“, hatte sie versucht zu retten, was nicht zu retten war.
„Nichts aber. Ich habe, wir alle hier in der Redaktion haben lange genug deine Launen ertragen. Du bist scheinbar völlig überarbeitet. Entweder so müde, dass du nichts mitbekommst, oder du maulst herum und bist, sorry, ungenießbar.“
Clara stand mit offenem Mund da und starrte ihren Chef an. In den ganzen Jahren ihrer Zusammenarbeit hatte sie Jan noch nie so viel an einem Stück reden gehört.
„Okay“, war das Einzige, was ihr eingefallen war, und dann hatte sie ihre Tasche gepackt.
Nun saß sie hier in ihrer Küche und wusste nichts mit sich anzufangen. Urlaub. Zwangsurlaub genaugenommen.
Mit starrem Blick schaute sie auf den weiß lasierten Küchentisch und zeichnete mit dem Zeigefinger die Maserung nach. Ihr ging es schon länger nicht gut. Ständig diese Hungerattacken. Zugenommen hatte sie auch. Sogar der BH fing an zu kneifen. Paul, ihr Freund fand das natürlich gut. Och, ist doch großartig. Also ehrlich mich stört es nicht, hatte er erklärt und konnte überhaupt nicht verstehen, warum sie in Tränen ausgebrochen war. Sie selbst auch nicht. So nah am Wasser gebaut kannte sie sich nicht. Alles störte oder nervte. Leider gehörte auch ihr Freund dazu.
„Wenn man vom Teufel, sprich“, seufzte Clara, als sie Pauls Stimme hörte.
„Ist was passiert?“
„Nee, dein Freund Jan hat mir Urlaub verordnet“, schnauzte sie ihn an.
„Oh. Na ja, vielleicht ganz gut. Du bist die letzte Zeit etwas neben der Spur, wenn ich das mal so sagen darf“, begann Paul.
„Ich bin doch kein Auto.“ Mit einem Satz war Clara auf den Beinen und setzte schnippisch nach. „Oder vielleicht doch. Ein Ausrangiertes. Ich gebe jetzt in meine Garage. Und zwar allein.“ Dann knallte sie die Tür hinter sich zu.
An Pause machen, war gar nicht zu denken und an schlafen noch weniger. Auf dem Bett sitzend lauschte sie eine ganze Weile, ob Paul noch etwas sagte oder klopfte. Nichts. Sie hörte ihn in der Küche singen. Er übertönte das Radio mit seiner lauten Stimme und sang so falsch, dass Clara die Melodie nicht erkennen konnte. Sie musste grinsen. Auch wenn er ihr in der letzten Zeit auf den Keks ging, so konnte sie sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Es tat ihr inzwischen leid, ihn so angeschrien zu haben. Im Nebenraum war Ruhe eingekehrt. Keine Musik, kein Gesang. Es waren überhaupt keine Geräusche mehr zu hören.
Leise öffnete sie die Schlafzimmertür. „Paul?“
Mit betreten der Küche sah sie sofort den Zettel auf dem Tisch.
Ich bin mit den Jungs zum Essen verabredet. Ruh dich aus. Wir sehen uns morgen.
„Na toll, nun habe ich ihn vergrault und die gehen ohne mich essen“, schluchzte sie laut auf und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
Die Minuten verstrichen. „So geht das nicht weiter.“ Ihre Stimme hallte laut in der sonst so ruhigen Küche. Sie zog ein Taschentuch aus der Box, trocknete sich die Augen und reckte ihr Kinn in die Höhe. Der Blick auf die Uhr zeigte an, dass sie sich sputen musste.
Die nahegelegene Apotheke hatte nur noch wenige Minuten geöffnet.
„Ein Glück, das ich sie noch antreffe“, sprudelte Clara gleich beim Eintreten heraus.
„Ich benötige ihre Hilfe. Ein Mittel zur Stärkung oder Beruhigung oder so. Ich bin so launisch und habe auch so zugenommen.“
Die ältere Apothekerin hörte geduldig zu.
„Aha, Müssen sie auch öfter weinen?“
„Ja, genau,“ stimmte Clara zu. Endlich verstand sie mal jemand.
„Und ist ihn auch manchmal übel? Zum Beispiel am Morgen?“
„Oh ja, heute musste ich mich sogar übergeben. Das kenne ich sonst nicht von mir. Ist zurzeit ein Virus unterwegs?“
„Das nicht, aber ich hätte was für sie, dass ihnen Klarheit verschafft“, erwiderte die Fachfrau und legte eine kleine Packung auf den Ladentisch.

Die Musik war schön, aber irgendetwas stimmte hier nicht. Mühsam öffnete ich die Augen.
„Na, meine Kleine.
Ausgeschlafen?“
Mein Freund zwinkerte mir lachend zu.
Ich musste mich erst einmal sortieren und schaute mich um. Ich saß im Wohnzimmer vor dem Fernsehen. Ach ja, unser wöchentlicher Kinoabend. Heute mal vor dem Fernseher, weil ich, seit geraumer Zeit so müde war.
In der Hand hielt ich noch die Chipstüte, deren Inhalt ich mir vor kurzem fast vollständig einverleibt hatte. Komisch, ich mag sonst gar kein Knabberzeug. Aber im Moment verschlang ich es regelrecht.
Das muss ich dringend ändern. So langsam bekam ich einen Rettungsring. Es hatten sich in der letzten Zeit so einige Dinge eingeschlichen, die ich sonst nicht so von mir kannte. Schlafen vor dem Fernseher gehörte eindeutig dazu. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich jemals so viel geschlafen habe wie in der letzten Zeit.
Trotzdem war ich unausgeglichen. Noch eine Arbeitswoche, dann geht es in den wohlverdienten Urlaub. Wenn auch allein und nur ein paar Tage. Ausruhen, schlafen, mit den Mädels treffen und in Ruhe shoppen gehen. Auf jeden Fall ein, zwei Hosen eine Nummer größer. Für den Übergang, bis ich wieder abgenommen habe. Dieses ständige Kneifen in der Taille ist grässlich.
Der Abspann der Komödie lief gerade und mir kamen einige Szenen in den Sinn, an die ich mich noch erinnern konnte. Die arme Frau. Der ging es ein bisschen wie mir. Ich stutze. Mir wurde ein bisschen flau. Vor Schreck legte ich beide Hände auf den Bauchraum.
„Schwanger“ schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf.
„Und, wie ist es ausgegangen?“, fragte ich vorsichtig.
„Schwanger, was sonst. Du hättest mal ihr Gesicht sehen sollen, als die Apothekerin ihr den Test hinlegte. Es ist kaum zu glauben, wie unbedarft manche Menschen sind. Weder sie noch ihr Partner haben etwas gemerkt. Da waren doch viele Anzeichen. Die Müdigkeit, die Gewichtszunahme. Übelkeit am Morgen. Obwohl, manche haben den ganzen Tag damit zu schaffen.
Wo wir beim Thema sind. Was macht eigentlich deine Magenverstimmung. So wie du futterst, scheint alles Okay zu sein. Du siehst zumindest aus wie das blühende Leben. So ein paar Kilo mehr stehen dir gut. Und ein bisschen mehr Oberweite ist auch nicht zu verachten,“ strahlte mich mein Freund an.

Ich bin am Ende meiner kleinen Geschichte angelangt und hoffe, dass sie euch gefallen hat. Im täglichen Hamsterrad übersehen wir wohl alle das ein oder andere Geschehen um uns herum. Im Moment des Innehaltens lüftet sich der Schleier und vieles tritt wieder klar zum Vorschein. Ein Blick in den Himmel, ein Moment das Gesicht in die Sonne halten. Einfach mal raus aus dem Trott.
Habt wieder eine wunderbare Zeit.

Zu viel Fantasie

Moin und Hallo

Schön, dass Ihr wieder vorbeischaut.
Es ist kaum zu glauben, aber das erste Viertel von 2025 ist schon vorbei.
Gefühlt habe ich gerade die Weihnachtsdeko eingemottet, nun stehen die Kisten mit den Ostersachen parat und warten auf Verteilung.
In manchen Gärten hängen schon die ersten bunten Eier. Zusammen mit den vorwitzigen Frühblühern ein schöner Farbfleck.
Die Natur ist für mich sowieso ein Wunderwerk. Erst liegt alles brach und kaum scheint die Sonne, fängt es an zu wachsen und zu blühen.
Auf meinem Startbild ist davon noch nichts zu sehen. Da müsste man schon sehr viel Fantasie aufbringen.
So wie die Protagonistin der folgenden Geschichte. Ihr wird immer zu viel davon nachgesagt. Aber lest selbst.

Die Gedankenflut der letzten Nacht forderte ihren Tribut. Gähnend hatte ich mich durch den Arbeitstag geschoben. Den Abschluss bildete nun die Abendschule, die ich seit einigen Wochen besuchte. Mein Plan für die Zukunft, erst Abi, dann vielleicht Dramaturgie studieren. Aber mit diesem Lehrer in Deutsch wurde das wohl nichts. Dieser Typ war trocken wie ein Furz und ging mir mächtig auf den Keks. Ich verstand es nicht. Wie konnte jemand, der noch so jung war so antiquierte Ansichten haben. Dr. Stur sah eigentlich aus wie eine Sahneschnitte, aber machte seinem Namen alle Ehre. Keine Diskussionsbereitschaft, kein über den Tellerrand schauen.
Ständig nölte er an meinem Texten herum. Alles, was ich zu hören bekam, war, „Strukturieren sie ihre Arbeiten und sortieren ihre Gedanken, bevor sie ihre Geschichten niederschreiben.“ Dann, mit einem Kopfschütteln als Krönung kam sein Lieblingssatz. „Zu viel Fantasie.“
Früher in der Schule war ich auch immer „zu“.
„Zu laut, zu frech, zu angriffslustig. Nie passte etwas. Ich hatte gedacht, jetzt als gestandene Erwachsene wäre es anders.
Was lernen diese Pädagogen eigentlich an der Uni. Vielleicht sollte ich den ganzen Plan überdenken.
Eine gehörige Portion Zorn hatte mich voll im Griff, als ich das Schulgebäude vorzeitig verließ. Stapfend stürzte ich die Straße entlang, um an deren Ende in den Wald einzubiegen. Tiefe Stille umhüllte mich. Gab es hier keine Vögel, keine Geräusche, keine anderen Personen? War ich noch auf dieser Welt oder schon auf einem anderen Planeten, wo ich als einzige übriggeblieben war. Es war doch noch hell. Oder hatte ich einfach alle mit meiner schlechten Aura vertrieben.
„Zu viel Fantasie. Pah.“ Wie bitte schön kann man zu viel davon haben? Mit jedem Schritt, den ich stark aufsetzte, jagte ich vorwärts. Tiefer in den Wald hinein. Hier wurde es durch die Dichte der Bäume und deren Laub viel dunkler. Schwer atmend blieb ich irgendwann stehen. Ich drehte mich einmal im Kreis. Wo war ich hier gelandet. Na großartig, das passte doch zu diesem Sch…tag. Nun hatte ich mich auch noch verlaufen. Ich drehte mich erneut. Dieses Mal langsamen, schaute in alle möglichen Richtungen. Irgendetwas musste mir doch bekannt vorkommen. Schließlich war ich in der letzten Zeit des Öfteren hier. Eigentlich nach jeder Deutschstunde.
Mein Blick fiel auf eine kleine Lichtung. Die restliche Helligkeit des Tages hatte sich in ihr gefangen. Es sah bezaubernd aus. Wie ein Märchenwald. Ein Ort für Zentauren, Zwerge und Gnome. Vielleicht mit sehr viel Glück wäre sogar ein Einhorn zu finden. Man kann es ja nie wissen. Also schaute ich genauer auf das Ende der Lichtung. Dort, an einem der Bäume weckte etwas mein Interesse. Was war das denn? Ich zwinkerte ein paar Mal, um den Blick zu schärfen.
Und dann sah ich es deutlicher. „Das ist nicht möglich.“ Meine Stimme war nur ein Hauchen und doch überdeutlich laut an diesem ansonsten ruhigen Ort. Eine feine Gänsehaut kroch mir langsam den Rücken empor und ließ meinen verschwitzen Körper frösteln. Eiseskälte machte sich in mir breit. Halt suchend umfasste ich mit beiden Armen meinen Oberkörper und wiegte ihn langsam vor und zurück. „Nein, nein, nein“, hörte ich mich wimmern. Noch immer lag mein fokussierter Blick auf der Stelle, wo ich etwas sah, was es eindeutig nicht gab. Nicht geben konnte. Nicht geben durfte.
Zögerlich trat ich etwas näher. Leise Schritt für Schritt, jedes Geräusch vermeidend. Die Stille um mich herum war fast greifbar. Immer noch kein Vogelgezwitscher, kein Gesumme oder Gebrumme. Nicht einmal der immerwährende Autoverkehr war in der Ferne zu hören. Dafür war inzwischen viel zu wenig los auf den Straßen. Es war zu spät. Alle saßen zu Hause oder mit Freunden in einem Biergarten oder wo auch immer und krochen nicht allein im Wald herum. Ich schluckte. Mein Hals war trocken. „Mist.“ Der Blick auf mein Handy zeigte mir, dass es schon weit nach 21 Uhr war und ich keinen Empfang hatte.
Gegen meinen Impuls, die Beine in die Hand zu nehmen und wegzurennen, bewegte ich mich weiter vorwärts. In meinem Kopf arbeiteten die Gedanken mühsam einen Plan aus. Ich musste die Polizei benachrichtigen, das stand fest. Aber wie sieht es mit erster Hilfe leisten aus. Gab es noch etwas, was ich leisten konnte?
Meine Beine zitterten derart, dass ich mich erneut sammeln musste, um überhaupt vorwärtszukommen. Weiterhin starrte ich wie gebannt auf das Etwas. Mein Gehirn versuchte zu realisieren, was ich sah. Viel war es nicht. Die Entfernung war zu groß. Auf der Stelle tretend grübelte ich weiter, was es sein könnte.
Eventuell ein Körper, großzügig mit weißen Stoffbahnen umhüllt. Ein Hochzeitskleid vielleicht. Ich wollte mir eine genaue Beschreibung überlegen, damit ich den Beamten später einen guten Hinweis geben konnte. In der Mitte der Gestalt steckte etwas und drückte sie an einen der Bäume.

Es nütze nichts, um besser sehen zu können, musste ich näher an den Ort des Verbrechens. Blut war erstaunlicherweise nicht zu sehen. „Vermutlich in den Boden gesickert“, murmelte ich vor mir hin. Dass das hier ein Tatort war, war mir vollkommen klar.
Warum musste so etwas ausgerechnet mir passieren. Es war noch keine fünf Minuten her, da dachte ich an zauberhafte Wesen und nun das. Eine Fee war es jedenfalls nicht. Auch kein Tier, weder wundersam noch real.
„Also los“, sprach ich mir selbst Mut zu und ging zögerlich weiter. ‚Vielleicht sollte ich rufen. Es konnte sein, dass die Person auch nur schläft“, überlegte ich.
„Hallo? Sie da. Hören Sie mich. Geht es Ihnen nicht gut?“ „Was rede ich hier eigentlich für einen Schwachsinn. Natürlich geht es einem nicht gut mit einem Speer im Körper“, murmelte ich und dann wieder lauter. „Also, ich komme jetzt näher. Erschrecken Sie nicht.“
Noch wenige Schritte, dann wäre ich direkt vor Ort. Ich kontrollierte erneut mein Handy. Kein Empfang. Hatte ich jetzt ehrlich gesagt auch nicht mehr mitgerechnet. Alles in mir sträubte sich bei dem Gedanken, den Körper, der vor mir saß, anzuschauen, zu berühren oder den Schleier zu lüften. Aber es nützte nichts. Es war kein Mensch weit und breit zu sehen oder zu hören. Das hoffte ich jedenfalls. Vorsichtig drehte ich mich um und lauschte. Waren da nicht Stimmen? Oder so ein leises Rascheln? Ich strengte mich an, genauer hinzuhören. Nichts. Ich hatte mich getäuscht. Kein Anschleichen war zu hören. Keine tierischen Warnlaute, wie bei Vögeln, wenn die Katze nahte. Der Täter hatte sich schon aus dem Staub gemacht. Oder die Täterin. Es konnte ja auch ein Eifersuchtsdrama sein.

Ein letzter Blick ins umliegende Gehölz und ich hockte mich hin. Atmete ein, zwei Mal tief ein und versuchte mich auf das vorzubereiten, was ich gleich erblicken würde. Vielleicht sollte ich erst einmal versuchen, ob noch ein Puls messbar war. Wenn ich kälte, spürte wohl eher nicht. Wie war das im Krimi immer mit der Leichenstarre. Erst wurde der Körper fest und dann wieder beweglich. Oder war es andersherum.
Ich sollte echt mal besser aufpassen. Man sieht ja. Irgendwann kommt eine Situation, da benötigt man Fachwissen.
Ich atmete noch einmal kräftig durch und hob dann langsam den Blick. Damit hatte ich beileibe nicht gerechnet. Ich keuchte und sprang auf. Fast wäre ich gestürzt. Nur mit Mühe schaffte ich mich auszubalancieren, um dann hysterisch die Töne herauszubringen, die sich langsam in meiner Kehle gesammelt hatten, bis sie explosionsartig entwichen. „So eine Schweinerei. Das darf doch nicht wahr sein. Können die Leute ihren Mist nicht auf die Müllkippe bringen, anstatt den Wald zu verunstalten und harmlose Spaziergänger zu Tode zu erschrecken.“
Schnaufend starrte ich auf das Teil, das nun klar und eindeutig vor mir lag. Ein großer weißer Sack. Aus der Mitte war im Laufe der Zeit ein Ast gewachsen. Kein Märchenort, kein Tatort.
Ich schloss die Augen und fing an zu lachen. Wie war doch der Lieblingssatz meines Deutschlehrers. „Zu viel Fantasie“

Ich bin am Ende meiner kleinen Geschichte angelangt.
Habt wieder eine wunderbare Zeit und genießt den April mit all seinen kleinen
Erlebnissen. Denn Abenteuer locken überall.

Gedanken

Moin und Hallo

Schön, dass ihr wieder dabei seid. Der März kommt mit großen Schritten ins Land gezogen. Das bedeutet, es wird wieder heller. Die Tage werden länger. Merkt man schon. Ich finde, die Vögel sind richtig aktiv. Gestern konnte ich drei Meisen beobachten, die sich am Eingang eines Vogelhäuschens mächtig stritten. Ein paar Meter daneben hängt ein weiteres Haus, aber es ist wohl wie bei den Menschen. Manche Objekte sind einfach interessanter.
Als Startbild habe ich dieses Mal die Fische mitgebracht. Sie sind sowohl Sternzeichen als auch Krafttier. Momentan noch in den Tiefen unseres Miniteiches verschwunden. Ich frage mich, ob die auch schon in den Startlöchern stehen und die ein oder andere Wurzel belagern. Da kommt doch gleich meine Fantasie in Wallung. Und mein Gedankenuhrwerk startet.

Gedanken
Sie lassen mir keine Ruh,
sind ständig kreuz
auch gern mal quer
ganz unsortiert kommt sie daher.

Sie springen hin und her.
Der Kopf ist voll,
dann wieder leer.
Erhöhen das Chaos immer mehr.

Sie springen vor und rück.
Was morgen kommt,
was gestern war.
Sie machen mich verrückt.

Sie springen hoch hinaus.
In Vorstellungen man vieles kann,
doch unsortiert
kommt oft nichts dabei raus.

Gedanken
Sie tauchen in mich hinein.
Ins Herz und in die Seele bald.
Mit Fantasie,
so wird‘s wohl immer sein.

Mit den Gedanken ist das so eine Sache. Die können einen ganz schön auf Trab halten. Und mit dem Thema Fantasie bin ich auch noch nicht fertig.
Aber davon später. Habt wieder eine schöne Zeit.

Ein wundersamer Ort

Moin und Hallo
Schön, dass ihr wieder dabei seid.

Als Startbild habe ich heute eine Landschaft ausgewählt. Gerade jetzt in dieser Jahreszeit, finde ich, ist der Blick in den Garten oder über ein Feld recht übersichtlich. Ruhe für die Augen und den Geist.
Letztens legte sich zusätzlich Nebel über das Land und deckte es sanft zu. Es hat etwas gedauert, bis ich diese unaufgeregte und stille Zeit schätzen lernte. Die Welt im Nebel ist eine völlig andere. Der klare Durchblick fehlt. Manches lässt sich nur erahnen.
Das kann auch passieren, wenn man mit Themen konfrontiert wird, die im ersten Moment nicht richtig zuzuordnen sind.

Ein wundersamer Ort

Als ich sie das erste Mal sah, saß sie in einem Raum, der so dunkel war, dass ich von der Umgebung im ersten Moment nichts erkennen konnte. Es war totenstill, nicht ein Geräusch war zu hören. Kein Summen, kein Atmen, höchstens das Pfeifen in meinen Ohren. Bei absoluter Stille schrie mein Tinnitus wie verrückt.
Die Gestalt war klein und strahlte nicht nur als Erscheinung. Ihr Lächeln hatte auf mich eine freundliche und einladende Wirkung. Geradezu energiegeladen. Diese Helligkeit bildet den Kontrast zur Umgebung. Ich blickte mich kurz um zu der Tür, durch die ich gekommen war. Sie schien jetzt schon in der Umgebung zu verschwind. Zögerlich trat ich näher und blickte erstaunt zu ihr herab. Es war ein Kind. Ein kleines Mädchen mit braunen Locken und wunderschönen Augen in derselben Farbe, ähnlich meiner eigenen Haar- und Augenfarbe. Nur das mein Blick eher trüb und die Haare eher stumpf als glänzend anmuteten.
Das Mädchen trug ein schlichtes weißes Kleid und saß völlig entspannt auf dem Boden.
Ich hockte mich mit meinem alten grauen Jogginganzug neben sie und kam mir schäbig vor. „Hallo, meine Kleine. Wo kommst du denn her?“
„Du weißt, wo ich herkomme“, antwortete sie ruhig.
Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß weder, wer du bist, noch wo wir hier sind“, flüsterte ich. Es war nicht kalt im eigentlichen Sinn hier in diesem Raum, aber eine innere Kälte ließ mich frösteln.
Ein unangenehmes Gefühl bemächtigte sich meiner.
„Du brauchst keine Angst haben“, sprach die Kleine und legte wie zur Beruhigung ihre Hand auf meine. „Es ist gut, dass du gekommen bist. Es wird dir Klarheit bringen.“ Ich war erstaunt über ihre Äußerung und noch mehr darüber, wie warm ihre Hand war. Trotz des Hauches einer Berührung löste sie ein Gefühl von Zuversicht in mir aus.
„Schau dich um, dann wirst du es verstehen.“
„Was verstehen?“, wisperte ich.
Ich wartete noch einen Moment, ob sie noch etwas preisgeben würde, aber sie blieb stumm.
Der Raum erwies sich nicht als so düster, wie ich im ersten Moment geglaubt hatte. Er enthielt einiges an Mobiliar, das mich an meine Oma erinnerte. Ein großer runder Tisch, gleich dem, an dem ich immer mit ihr gespielt hatte. Meistens Halma. Bis mein Großvater von der Arbeit kam. Dann beherrschte er das Feld. Forderte den Platz, um an seinen Legohäusern zu bauen. Kein gemeinsam. Eher ein hab acht. Ich blieb trotzdem. Wenn ich anwesend war, blieb er friedlich. War Oma in Sicherheit. Seltsam. Ich hatte lange nicht daran gedacht. Ein leiser Schmerz erfüllt mich. Wie konnte ich es vergessen? Wie konnte ich sie vergessen?
„Du hast sie nicht vergessen. Sie ist ein Teil von dir. Das Leben geht weiter.“ Die Stimme der Kleinen war ruhig und liebevoll. „Immer. So im Guten, so im Schlechten.“
Ich schüttelte mich. Ein kalter Schauer durchlief mich. Trotzdem oder vielleicht auch genau deswegen schaute ich mich nach einer Feuerstelle um. Ich meinte, den Geruch von Rauch in der Nase zu haben, aber es war wohl eine Täuschung oder ein Wunschgedanke. Mein Blick blieb an einer Angel hängen. Gleich kam eine Erinnerung. An die Zeit, als ich mit meinem Vater oft zum Angeln gegangen bin. Immer der gleiche Ablauf. Früh aufstehen, Proviant einpacken und heißen Tee. Auf dem Weg Köder, meist Maden kaufen und für mich noch einen dicken Comic.
Das war eine schöne Zeit, erinnerte ich mich und mir wurde gleich wärmer. Vielleicht weil mein Herz schneller schlug. Auch daran hatte ich lange nicht gedacht, durchfuhr es mich sogleich und das wohlige Gefühl verschwand.
„Auch er ist ein Teil von dir“, hörte ich jetzt die Stimme des Kindes wieder. „Schau, was du noch entdecken kannst.“
Neben der Angel, etwas im Hintergrund waren einige Körbe gestapelt. Die dazugehörigen Decken rochen muffig. „Nach alter Hund“, rief ich und fing an zu lachen, während sich der Schmerz in mir ausbreitete und mir die Tränen die Wangen hinunterliefen.
„Was nützen mir die Erinnerungen. Sie tun nur weh. Alle haben mich verlassen“, schluchzte ich nun laut.
„Sie haben dich nicht verlassen. Sie sind weitergezogen. Solange du sie in deinem Herzen trägst, sind sie bei dir. Du bist nicht allein. Du wirst es niemals sein.“ Das kleine Mädchen umschloss mich mit einer Kraft, die ich ihr nie zugetraut hätte. „Ich bin die Hüterin deines Selbst und werde immer bei dir sein.“
Eingehüllt von dieser Gewissheit erwachte ich am Morgen in meinem Bett.
Was für ein komischer Traum, aber doch schön und beruhigend. Das muss an dem Artikel gelegen haben, den ich gestern Abend noch gelesen hatte, murmelte ich und blickte auf die Überschrift.
„Auch in schweren Zeiten – Das innere Kind verlässt dich nie.“

Es gibt viele wundersame Orte, die sich entdecken lassen.
Ich wünsche euch viel Vergnügen dabei.